Vielfalt gestalten

2022

Es ist die Aufgabe von Politik und Gesellschaft, junge Menschen zu unterstützen, damit die ihre Interessen selbstbestimmt, eigenmächtig und wirksam vertreten können, damit sie gesellschaftlich und politisch teilhaben können. Ein Beispiel für eine solche Empowerment-Initiative ist der Sinti Power Club in Ravensburg.

Jagoda Marinić leitet das Interkulturelle Zentrum in Heidelberg. Foto: Dorothee Piroelle

Jagoda Marinić ist kroatisch-deutsche Schriftstellerin, Autorin, Kolumnistin, Feministin. Sie leitet das Interkul-turelle Zentrum (IZ) in Heidelberg und ist eine wichtige intellektuelle Stimme in Deutschland. Im Interview mit der IKW spricht sie darüber, wie sie die Spaltung der Gesellschaft wahrnimmt, und was Politik und Zivilgesellschaft dagegen tun können.

Junge Menschen werden stärker wahrgenommen in der Vielfaltsgesellschaft. Haben sie eine Migrationsgeschichte oder gehören sie einer Minderheit an, erfahren sie jedoch weiterhin Benachteiligung, Rassismus, Hass. Es ist die Aufgabe von Politik und Gesellschaft, junge Menschen zu unterstützen, damit die ihre Interessen selbstbestimmt, eigenmächtig und wirksam vertreten können, damit sie gesellschaftlich und politisch teilhaben können. Der Begriff "Empowerment" bezeichnet Maßnahmen und Strategien, die genau das erreichen wollen. Ein Beispiel für eine Empowerment-Initiative ist das Projekt kiez:story.

2021

Ein Beispiel stellvertretend für Viele: Der Verein IFNIS aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt. Foto: IFNIS

Seit den 1970er-Jahren gibt es Migrant*innenselbstorganisationen in Deutschland. Bis ihre wichtige Rolle für das friedliche Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft anerkannt wurde, hat es lange gedauert - und am Ziel ist die Prozess noch lange nicht. Auch die Organisationen verändern sich und sind zunehmend auch in anderen Arbeitsgebieten abseits von Integration tätig.

Die "Interkulturellen Abende" - hier der Empfang im Jahr 2018 - gehören schon seit 2001 zum Jahresprogramm des Polizeipräsidiums Südosthessen. Foto: PP Südosthessen

Seit Anfang der 1990er-Jahre beschäftigt sich die Polizei zunehmend mit interkulturellen Fragestellungen. Konkret benötigte die Polizei Ansprechpersonen dafür und zur Förderung interkultureller Kompetenzen bei den eigenen Mitarbeiter*innen. Darüber hinaus sollten diese Ansprechpersonen zu Brückenbauern zwischen der Polizei und den Zugewanderten werden. Unter anderem sollte dies durch den Dialog mit den Migrantenselbstorganisationen sowie durch die Einrichtung einer Anlaufstelle für die migrantische Bevölkerung bei der Polizei geschehen. Ein Beispiel aus Hessen.

2020

Willkommenskultur am 5. September 2015 am Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: Imago/epd

Die Zivilgesellschaft ist eine zentrale Kooperationspartnerin in der kommunalen Integrationsarbeit. Ohne das Engagement der Zivilgesellschaft wäre 2015 vielerorts die rasche Aufnahme von Schutzsuchenden undenkbar gewesen. Bei der Weiterentwicklung von kommunalen Integrationsstrukturen ist die Mitwirkung zivilgesellschaftlicher Akteure heute weiterhin von großer Bedeutung.

Deutsche Städte und Gemeinden sind vielfältig.

Deutschland ist ein Einwanderungs-land. Heute hat etwa jeder vierte Einwohner einen so genannten Migrationshintergrund; mehr als die Hälfte davon mit deutschem Pass. Schaut man aber etwas genauer hin, so erkennt man deutliche Unterschiede zwiwchen Stadt und Land sowie Ost und West. Willkommenskultur ist aber auch ein Standortvorteil, und das gute Zusammenleben muss organisiert werden.